Internationaler Bericht schlägt Alarm: Die europäische Chemieindustrie steht am Rande des Zusammenbruchs

Starker Rückgang bei Investitionen und Produktion
Der Bericht stützt sich auf Daten, die von der "Financial Times" über den Europäischen Chemieindustrieverband (Cefic) übermittelt wurden, und zeigt, dass die Investitionen in den Sektor im vergangenen Jahr um bis zu 80 % zurückgegangen sind. Zudem sind die Schließungen von Produktionskapazitäten innerhalb der Europäischen Union seit 2022 um das Sechsfache gestiegen, sodass bis 2025 etwa 37 Millionen Tonnen, was 9 % der gesamten Produktionskapazität entspricht, verloren gehen könnten.
Jobverluste und Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen
Diese Schließungen führten zum Verlust von etwa 20.000 Arbeitsplätzen, während gleichzeitig ein deutlicher Rückgang bei der Initiierung neuer Investitionsprojekte zu verzeichnen ist, was die Industrie in eine kritische Lage gegenüber globalen Wettbewerbern, insbesondere in den USA und China, bringt, wo Energie zu niedrigeren Preisen verfügbar ist und die regulatorischen Beschränkungen geringer sind.
Der Verlust von russischem Gas verschärft die industrielle Krise
Der Bericht stellt fest, dass der Rückgang der europäischen Chemieindustrie eng mit dem Verlust günstiger Energiequellen, insbesondere russischem Gas, verbunden ist, das ein wesentlicher Bestandteil zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Sektors war. Diese Industrie ist eine der energieintensivsten und am meisten von steigenden Betriebskosten betroffenen Branchen.
Emissionen senkende Politiken erhöhen den wirtschaftlichen Druck
Der Bericht weist darauf hin, dass die europäischen Umweltpolitiken, die sich auf die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen konzentrieren, die Produktionskosten erhöht haben, was die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen auf dem globalen Markt verringert hat und einige Unternehmen dazu veranlasst hat, ihre Investitionen außerhalb des Kontinents zu verlagern.
Abzüge und Schließungen großer Fabriken
Nach anderen wirtschaftlichen Berichten beginnen große internationale Unternehmen, ihre Präsenz in Europa zu überdenken. So hat das saudische Unternehmen "SABIC" seine Vermögenswerte auf dem Kontinent verkauft, während die "Dow"-Firma plant, mehrere ihrer Fabriken in Deutschland aufgrund steigender Energiekosten und Emissionen sowie schwacher Nachfrage zu schließen. Auch das Unternehmen "Exxon" erwägt einen ähnlichen Schritt und den Rückzug aus dem europäischen Chemiesektor, während zwei Unternehmen Insolvenz für einige ihrer Zweigstellen beantragt haben.
Folgen für andere strategische Industrien
Die Auswirkungen des Rückgangs der Chemieindustrie beschränken sich nicht nur auf den Sektor selbst, sondern betreffen auch andere strategische Industrien, die direkt von ihr abhängen, wie die Automobilindustrie und die Verteidigungsindustrie, was Bedenken hinsichtlich breiterer wirtschaftlicher Auswirkungen innerhalb der Europäischen Union aufwirft.
Aufrufe zur Überprüfung der Industrie- und Umweltpolitiken
Marco Mensink, der Vorsitzende des Europäischen Chemieindustrieverbandes, warnte, dass der Sektor ohne Beispiel unter Druck steht, und wies darauf hin, dass sich die Schließungsraten von Fabriken innerhalb eines Jahres verdoppelt haben und die jährlichen Investitionen auf nahezu null gesunken sind. Er bezeichnete die Industrie als "Mutter aller Industrien", die sich in einer Phase des echten Zusammenbruchs befindet.
Schätzungen zufolge könnte die Rettung dieses Sektors eine Neuausrichtung der Prioritäten der Industrie- und Umweltpolitiken in Europa erfordern, um ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen zum Schutz der Umwelt und der Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit lebenswichtiger Industrien zu erreichen.