Bulgarien tritt offiziell der Eurozone bei, trotz inflations- und politikbedingter Bedenken

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, bestätigte, dass die wirtschaftlichen Vorteile der Euroeinführung erheblich sein werden, und wies auf die Erleichterung des Handels, niedrigere Finanzierungskosten und Preisstabilität hin. Sie fügte hinzu, dass kleine und mittlere Unternehmen etwa 500 Millionen Euro an Gebühren für den Währungsumtausch einsparen könnten und dass jegliche Auswirkungen auf die Preise "gering und kurzfristig" sein werden, basierend auf den Erfahrungen anderer EU-Länder, wo sie zwischen 0,2 und 0,4 Prozentpunkten lagen.
Georgi Angelov, Chefökonom des Open Society Institute in Sofia, erklärte, dass der Beitritt Bulgariens es dem Land ermöglichen werde, an den Entscheidungen innerhalb der Währungsunion teilzunehmen, die Transparenz erhöhen und den Preisvergleich mit anderen EU-Ländern erleichtern werde. Er betonte jedoch die Wichtigkeit einer stabilen Regierung für mindestens ein Jahr, um die Vorteile des vollständigen Beitritts zu sichern.
Dieser Beitritt erfolgt, nachdem Kroatien 2023 das letzte Land war, das den Euro eingeführt hat. Dennoch sah sich der Prozess öffentlichen Protesten gegenüber, die forderten, die bulgarische Leva beizubehalten, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo 49 % der Bürger laut einer Umfrage von "Eurobarometer" gegen den Übergang zur gemeinsamen Währung sind.
Bulgarien, mit einer Bevölkerung von 6,4 Millionen, steht vor großen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen, nachdem Proteste gegen Korruption zur Absetzung der vorherigen Koalitionsregierung führten, mit der Möglichkeit, in den nächsten Jahren Neuwahlen abzuhalten.
Bereits vor der offiziellen Einführung des Euros verzeichnete das Land im November 2025 einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 5 % im Jahresvergleich, was mehr als doppelt so hoch ist wie der Durchschnitt der Eurozone, während die Immobilienpreise im zweiten Quartal um 15,5 % stiegen, also dreimal so hoch wie der Durchschnitt der EU.
Um die öffentliche Meinung zu beruhigen, hat das bulgarische Parlament die Aufsichtsbehörden gestärkt, um plötzliche Preiserhöhungen zu kontrollieren und ungerechtfertigte Erhöhungen im Zusammenhang mit dem Übergang zum Euro zu dämpfen.